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Ordnungszwang: Was bei der Therapie wichtig ist


Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Stehen Bücher nicht exakt im Regal oder Gewürzdosen nicht im richtigen Abstand zueinander, kann das bei manchen Menschen starke Unruhe auslösen. Hinter diesem Drang nach perfekter Ordnung steckt mitunter eine Zwangsstörung – der sogenannte Ordnungszwang. 

Teils geht die psychische Krankheit mit «magischen» Befürchtungen einher – nach dem Motto: «Wenn ich jetzt nicht dieses oder jenes Ordnungsschema einhalte, passiert zum Beispiel nahen Angehörigen etwas Schlimmes.» 

Betroffene haben oft einen hohen Leidensdruck, wissen aber mitunter keinen Ausweg. «In solchen Fällen kann eine kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition hilfreich sein», sagt Prof. Lena Jelinek, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter anderem zu Zwangsstörungen forscht. 

Also eine Therapie, die helfen kann, ungünstige Gedankenmuster zu erkennen und sich der auslösenden Situation Schritt für Schritt zu stellen. Jelinek zufolge ist es wichtig, dass die Therapeutin oder der Therapeut zu einer von Ordnungszwang betroffenen Person nach Hause geht und quasi vor Ort die psychische Störung behandelt.

Therapie bei Ordnungszwang setzt auch zu Hause an

Ein Beispiel: Auf dem Regal in der Küche müssen für einen Mann die Gewürzdosen in einem bestimmten Abstand und in einer bestimmten Symmetrie zueinander stehen. Jedes Mal nach dem Kochen verwendet er viel Zeit dafür, die Dosen nach seinem Schema zu ordnen. Tut er das nicht, machen sich Sorgen in ihm breit. Er befürchtet, dass etwa seinen Kindern etwas zustoßen könnte. Und obwohl er weiß, dass eigentlich kein Zusammenhang besteht, muss er die Dosen ordnen. Sicher ist sicher.

Eine Therapeutin oder ein Therapeut würde nun als Teil der Behandlung mit dem Mann auch in seinem Zuhause schrittweise üben, dass es völlig gleichgültig und keine Folgen hat, wie die Gewürzdosen im Regal stehen. «Der Mann lernt mit therapeutischer Hilfe, mit der Angst wegen der vermeintlich unordentlich aufgestellten Gewürzdosen umzugehen», so Jelinek. 

Der Patient erfährt unter therapeutischer Begleitung, dass die gefürchtete Katastrophe ausbleibt und lernt die Angst zuzulassen und nicht durch Ordnungsrituale zu unterbinden. Das Gehirn lernt allmählich, dass die Situation ungefährlich ist.


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(16.03.2026)